Alleine auf ein Konzert gehen – warum du es mindestens einmal ausprobieren solltest
Die Sonne scheint, der Wind raschelt in den Bäumen, die das Konzertgelände in Zürich umgeben. Um mich herum wird gelacht, geredet. Immer wieder stimmt irgendwo in der Menge jemand eine Liedzeile an. Ich sitze im Schneidersitz auf dem Boden, eine kalte Cola in der Hand. In zwanzig Minuten soll der Voract beginnen.
Die Menge besteht größtenteils aus Frauen. Die meisten sitzen wie ich vor der Bühne auf dem Boden um Kräfte zu sparen. Mein Blick bleibt an einer Frau hängen die ein paar Meter entfernt sitzt. Sie schaut sich unsicher um. Ich erahne das sie wie ich alleine hier ist und das wahrscheinlich zum ersten Mal. Ich erinne mich noch genau an mein erstes Solo-Konzert.
Ist es komisch alleine auf ein Konzert zu gehen?
Nein, es ist nicht komisch, alleine auf ein Konzert zu gehen. Immer mehr Menschen besuchen Konzerte ohne Begleitung. Wenn der erste Ton fällt, spielt es keine Rolle mehr, mit wem du gekommen bist – die Musik verbindet alle.
Meine erste Erfahrung – London 2023
Die Seilbahn schwebt über die Themse. Ich erkenne dass weiße Dach der o2 Arena gegen den grauen Londoner Himmel. Ich mache Fotos, tue so, als ob es in ganz normaler Abend wäre. In meinem Bauch spüre ich die Nervosität. Soll ich das wirklich machen? Kann man wirklich alleine auf ein Konzert gehen?
Wenige Stunden zuvor lande ich in London. U-Bahn, Check-In, frisch machen, los zur Arena. Keine Zeit nachzudenken. Vielleicht besser so. Ich habe mir ein Konzertticket für Måneskin gekauft. 50 Pfund. Ein Sitzplatz ganz oben in den sogenannten „Nosebleeders“. Eigentlich nur ein Programmpunkt während meines Städtetrips.
Erst jetzt wird mir so richtig klar: Ich mache nicht nur eine Solo-Reise. Ich gehe auch alleine auf ein Konzert.
Und das fühlt sich plötzlich größer an, als jede Reise.
In der Reihe hinter mir sitzt eine Familie. Links von mir ein Pärchen. Die zwei rechten Plätze noch leer. Kurz vor Konzertbeginn kommt ein weiteres Paar und setzt sich auf die freien Plätze.
Jetzt ist es offensichtlich: Ich warte auf niemanden.
Das unangenehme Gefühl ist jetzt auf dem Höhepunkt. Innerlich ducke ich mich. Was denken die bloss von mir? Werden sie mich fragen warum ich alleine hier bin? Werden sie tuscheln?
Und weißt du was passiert ist?
Nichts.
Kein mitleidiger Blick. Niemand fragt. Niemand interessiert sich dafür.
Man überschätzt oft wie sehr andere uns beobachte. Die meisten sind mit sich selbst beschäftigt.
Als das Licht ausgeht, kippt alles.
Die Halle wird laut. Menschen stehen auf, schreien, jubeln.
In diesem Moment spielt es keine Rolle mit wem du angekommen bist, jetzt bist du ein Teil der Masse, die dieselbe Musik fühlt.
Ich mache Fotos, singe mit. Irgendwann tanze ich sogar mit den anderen in meiner Sitzreihe. Ich vergesse fast nervös zu sein und geniesse den Moment.
Als das Konzert endet, teilt die Menge sich in verschiedene Richtung auf und ich bin wieder anonym.
Die Leute deren Meinung mir so wichtig war?
Ich sehe sie nie wieder.
Am nächsten Morgen wache ich anders auf. Nicht dramatisch verändert. Einfach ein bisschen mutiger und stolz dass ich der Angst nicht nachgegeben habe und ein tollen Abend hatte.
Genau solche Erfahrungen stärken dein Selbstbewusstsein – ähnlich wie bei einem klassischen Solo-Date.
Als Frau alleine auf ein Konzert gehen – meine Erfahrungen
Ich habe gemerkt, dass ich mich auf Konzerten mit überwiegend weiblichem Publikum am wohlsten fühle.
Zum Beispiel war ich auf einem Louis Tomlinson Konzert. Sein Publikum ist größtensteils weiblich, queerfreundlich, offen. Ähnlich wie man es von Taylor Swift oder Harry Styles Konzerten hört, fühlt sich das Konzert wie ein Treffen einer Gemeinschaft an.
Es gibt Fanprojekte, Armbänder oder selbst gebastelte Pins werden verschenkt.
Und auch wenn ich mich alterstechnisch eher am oberen Rand des Altersdurchschnitts befunden habe, habe ich mich sehr wohl und aufgenommen gefühlt.
Hier ist es völlig normal, auch mal alleine auf ein Konzert gehen.

Bei anderen Konzerten mit gemischterem Publikum, waren eher Gruppen bzw. Paare unterwegs. Was nicht heißt das man da nicht auch alleine als Frau hingehen und Spaß haben kann, aber ich habe mich im Vergleich als Einzelperson sichtbarer und auch etwas unsicherer gefühlt.
Die Vorteile alleine auf ein Konzert zu gehen
Der größte Vorteil für mich: keine Kompromisse.
Du entscheidest:
- Wie früh du dich anstellst
- Ob du einen Sitz- oder Stehplatz willst
- Ob du dich für Merchandise anstellen möchtest
- Ob du direkt nach dem Konzert nach Hause willst oder ein Hotelzimmer vor Ort buchst
- Ob du das Konzert mit einem Städtetrip oder Urlaub verbindest.
Du bist nicht abhängig von der Energie, Laune oder Budget anderer.
Das Konzert wird zu deinem Erlebnis.
Je mehr Soloerlebnisse du hast, umso mehr traust du dir selber zu.
Sitzplatz oder Stehplatz?
Stehplatz bedeutet mehr Bewegung, mehr Nähe zur Bühne und verschwindest leichter in der Menge. Aber auch anstrengender, längere Steh- und Wartezeiten, weniger Abstand zu anderen Besuchern.
Sitzplatz gibt dir die Möglichkeit dich auszuruhen, Sicherheit und Übersicht. Du musst niemanden bitten deinen Platz frei zu halten. Dafür ist es offensichtlicher dass du alleine da bist.
Praktische Tipps für dein erstes Solo-Konzert
Konzertauswahl
Mein Eindruck:
Das Publikum spiegelt oft die Haltung der KünstlerInnen wieder. Such dir für dein erstes Konzert am besten einen Act dessen Fanbase für Offenheit und Zusammenhalt bekannt ist.
Stöbere doch einfach mal durch aktuelle Konzerte* in deiner Nähe.
Ankunft und Heimweg planen
Informiere dich vorab über Bus-& Bahnverbindungen, Shuttlebuse oder Parkplatzsituation. Notiere deine letzte Verbindung und plane Puffer ein.
Lade eine Offline-Karte herunter und teile deinen Standort mit einer vertrauten Person.
Tipp: Mit dem Flixbus* kommst du oft schnell und günstig zu Konzerstädten im In- & Ausland.
Handy & Oganisation
Powerbank* einpacken. Speicherplatz frei machen. Taschenregeln der Venue beachten.
Vor Ort
Trinke genug. Wartezeiten, stickige Luft und Aufregung können auf den Kreislauf gehen.
Wetterangepasste Bekleidung.
Wenn du dich unsicher fühlst: Stell dir vor, du bist hier um einen Job zu erledigen. Als Konzertfotografin oder Journalistin die über das Konzert berichten soll.
Alle stehen auf, die Menge wird laut. Der Beat startet. Nach ein paar Minuten blicke ich wieder rüber zu der Frau. Ihr Blick auf die Bühne gerichtet, ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Sie strahlt und sieht glücklich aus.
Fazit: probiers einfach mal aus
Vielleicht wirst du nervös sein. Vielleicht hast du das Gefühl fehl am Platz zu sein. Aber vielleicht wachst du auch am nächsten Morgen auf und freust dich dass du einen tollen Abend hattest und dich nicht von deiner Angst hast abhalten lassen.
Aber ist es nicht schöner die Erfahrung zu teilen? Du kannst sie trotzdem teilen indem du anderen davon erzählsz und ihnen Fotos zeigst. Es heißt auch nicht dass du immer alleine auf Konzerte gehen musst. Es bedeutet einfach nur das eine fehlende Begleitung kein Hindernis sein muss.
Sieh es als Experiment. It`s not that deep.
*Transparenzhinweis:
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